16. März 2022

Director’s Cut im „Karlspark“: Wie die freie Filmproduktionsfirma kurhaus zum Nachbarn auf Zeit wurde

Soziale Gerechtigkeit, das Anderssein oder auch toxische Freundschaften – der thematischen Vielfalt der Spielfilme und Dokumentationen der kurhaus production sind kaum Grenzen gesetzt. Ohne Spezialeffekte und Millionenbudget, aber dafür mit viel Herzblut setzen die Regisseure und Produzenten immer wieder alternative Filmprojekte um. Ende 2021 durfte BEOS das Produktionsteam als Zwischenmieter im Karlsruher „Karlspark“ begrüßen. Luna Selle war dabei nicht nur als Producerin, sondern auch als sogenannter Green Consultant involviert.

Frau Selle, wie sind Sie und ihr Team überhaupt in den „Karlspark“ gekommen?

Im vergangenen Jahr haben wir ein neues Filmprojekt gestartet, das in Karlsruhe gedreht wurde. Neben den eigentlichen Sets und unserem zentralen Produktionsbüro in Baden-Baden benötigen wir aber auch immer Räumlichkeiten in der Nähe der Drehorte. Deshalb suchen wir gezielt Büroräume zur Zwischenmiete – was bei den meisten Vermietern jedoch auf wenig Gegenliebe stößt. Eher durch Zufall sind wir auf den „Karlspark“, das ehemalige Siemensgelände, gestoßen. Aber bereits nach einem Call mit Herrn Pfisterer war uns klar: Hier stimmt die Chemie. Schließlich waren wir dann von September bis Ende November drei Monate im „Karlspark“ – auf 1.200 Quadratmetern für fünfzehn Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Das klingt am Anfang vielleicht nach Luxus, aber wir hatten unsere komplette Szenenbildabteilung, genau wie die Kostümabteilung, alle Kisten mit Möbeln, Requisiten und Ähnlichem vor Ort. Darüber hinaus hatten wir uns Büros und einen Meetingraum eingerichtet. Am Ende war die Fläche also gut ausgelastet.

 

Sie wollen Filme „grüner“ machen – wie genau funktioniert das?

Da muss ich ein bisschen weiter ausholen. Grundsätzlich ist es in der Filmwirtschaft genau wie in jeder anderen Branche – wir müssen schlicht und ergreifend unseren ökologischen Fußabdruck schmälern und „grüner“ produzieren. Unser aktuelles Filmprojekt wird dafür von der MFG Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg im Rahmen des Programms „100 Grüne Produktionen“ gefördert, an dem beispielsweise auch der „Tatort“ teilnimmt. Gemeinsam mit meinem Team achten wir dabei auf die unterschiedlichsten Details: Wie können wir beim Catering das Einweggeschirr einsparen und auf regional produzierte Lebensmittel setzen? Wie transportieren wir die Crew und das Equipment klimaschonend von A nach B? Wie kommen wir mit möglichst wenig Dienstreisen aus? Solche Fragen spielen dabei eine wichtige Rolle.

 

Gab es bei Ihnen auch grüne Ansätze im „Karlspark“?

Auf jeden Fall. Beispielsweise konnten wir dank der Unterstützung durch die Nachbarn auf vorhandene Arbeitstische und andere Büroausstattung zurückgreifen, die somit noch ein bisschen mehr Lebensdauer erhalten haben. Wir mussten also keine neuen Möbel kaufen oder alte transportieren. Gleiches gilt für die Kostüme, die wir gleich vor Ort waschen konnten. Das nachbarschaftliche Miteinander haben wir überall gespürt – auch wenn wir selbst nur kurz auf der Fläche waren und nicht alle Mieter in dieser Zeit kennenlernen konnten. Ich persönlich habe mich über die Honiggläser der hauseigenen Bienen ja sehr gefreut. Aber vor allem möchte ich mich bei Herrn Pfisterer und Frau Seidel für ihre Unterstützung bedanken.

 

Welcher Film sollte unbedingt einmal im „Karlspark“ gedreht werden?

Das ist eine wirklich gute Frage. Spontan denke ich da gar nicht mal in Richtung Spielfilm. Vielleicht sollte es eine „Karlspark“-Dokumentation oder eine BEOS-Dokumentation geben. Ich finde das Konzept sehr spannend, dass man alten Immobilien neues Leben verleiht und nicht immer nur gleiches Gewerbe ansiedelt, sondern eine durchmischte Mieterschaft erreichen will. Wer weiß. Vielleicht wird ja eines Tages dadurch der „Karlspark“ selbst zum „Filmstar“.